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Samstag, 16. Oktober 2021, 20:26

Säbelkoppel Schweizer Armee

Hallo zusammen
Ich möchte mal ein neues Thema eröffnen, dass meiner Meinung nach sehr stiefmütterlich behandelt wird. Und zwar die verschiedenen Säbelkoppel. Da gibt es naturgemäss extrem viele Varianten, wirklich einheitlich wurde es erst mit der Ordonnanz 1898. Ich werde die Exemplare meiner Sammlung vorstellen und hoffe, dass sich ein paar andere beteiligen werden.

Ich starte mit den kantonalen Zeiten.
1: Säbelbandulier für diverse Säbel. Geweisstes Leder. Solche Banduliers wurden damals überall in etwa den gleichen Formen getragen. In den grösseren Kantonen wurden sie manchmal gestempelt. In meiner Sammlung ist neben diesem Exemplar noch eines für eine Scheide mit Strippe.

2: Koppel zu Kavallerie-Offiziers Säbel, kantonale Ord. 1818 Zürich. Geweisstes Leder. Dieser schöne Koppel wurde so und ähnlich ebenfalls in vielen Kantonen getragen. Dieses Stück lässt sich ganz klar der Zürcher Ordonnanz zuschreiben.

3: Koppel für Offiziersdegen oder Säbel. Geschwärzes Leder. Dieser Koppel lässt sich schwer einer Ordonnanz zuschreiben. Er ist irgendwo zwischen 1820 und 1869 einzuordnen und passt sowohl zum Helmknaufdegen als auch zum Säbel Ord. 1842/52 für unberittene Offiziere.

4:Koppel für Offizerssäbel Ord. 1861. Geschwärztes Leder. Fälschlicherweise oft als Ord. 1842/52 beschrieben. Mit der Ordonnanz 1861 wurden die Säbel neu an Ringen befestigt und der Koppel über dem Rock getragen. Von diesen Koppeln gibt es eine Fülle von Varianten, die sich in Details unterscheiden. Dieses Stück ist einfach gehalten.

5: Koppel für Offizierssäbel Ord. 1867. Gewaffeltes, naturfarbenes Leder. Das ist die ursprüngliche Variante, die 1867/69 zusammen mit dem neuen Säbel und der neuen Uniform eingeführt wurde. Im Vergleich zu den vorangehenden Modellen ist es sehr schlicht gehalten und wurde vielfach auch unter dem Waffenrock getragen. Gestempelt mit Vaud, also ein kantonales Stück vor 1875. Bei diesem Koppel wurde der hintere Tragriemen entfernt. Sehr schön ist das gewaffelte Leder.

6: Koppel für Offizierssäbel Ord.1875. Rotes Saffianleder. Mit dieser Ordonnanz wurden auch die Säbelkoppel relativ detailliert beschrieben. Das rote Leder war nun verbindlich für alle Offiziere vorgeschrieben. Natürlich gab es nach wie vor eine grosse Fülle an Extravarganzen. Auch bei diesem Stück wurde der hintere Tragriemen entfernt.

7: Koppel für berittene Mannschaft Ord. 1875.Geschwärztes Leder. Die Mannschaften hingegen waren ab 1875 einheitlich mit demselben Modell ausgestattet. Es war ähnlich den Infanteriekoppeln aufgebaut und mit Hochtragehaken und 2 Tragriemen versehen.

8: Bandulier für Offiziersdegen Ord.1899. Solche Banduliers aus gewebtem Stoff wurden vor allem zum Gala-Degen getragen, da sie bequemer und diskreter waren, als die normalen Feldkoppel. Vor allem höhere Offiziere trugen ihren Säbel auch im Dienst an den Banduliers unter dem Waffenrock. Sie wurden bis 1941 verwendet, bis zur Abschaffung der langen Blankwaffen in der Armee.
»Microraptor92« hat folgende Bilder angehängt:
  • Ord. 1818 Zürich und Bandulier.JPG
  • Ord. 1842.JPG
  • Ord. 1861.JPG
  • Ord. 1867 und 1875 Offiziere.JPG
  • Ord. 1875 Mannschaft.JPG
  • Ord. 1899.JPG

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Microraptor92« (18. Oktober 2021, 13:48)


joehau

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Mittwoch, 20. Oktober 2021, 23:50

Danke für diesen sehr informativen Beitrag !
Die Säbel-Kuppel und Banduliere ist ein sehr schwieriges Kapitel.

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Samstag, 23. Oktober 2021, 19:20

Hallo Joheau
Danke für das Lob. Dieses Thema ist enorm schwierig, da hier praktisch keine Literatur vorhanden ist. Früher wurde mit Mustermodellen gearbeitet, erst ab 1842 geben die Reglemente einigermassen Auskunft über die Beschaffenheit der Modelle. Wie ist das bei den ausländischen Blankwaffen? Sind dort die Koppel besser dokumentiert?

joehau

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4

Sonntag, 24. Oktober 2021, 19:35

In Deutschland gab es ja durch die Kleinstaaterei eine noch viel größere Zahl an Säbel- / Degenmodellen.
Mir ist jetzt gar keine Literatur bekannt, die sich ausschließlich mit Säbelgehängen geschäftigt.
Das dürfte noch um einiges schwieriger und unübersichtlicher sein, als die Schweiz.

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Sonntag, 7. November 2021, 18:51

Liebe Interessierte, es ist tatächlich so, dass sich die meisten Sammler nicht um das Lederzeug kümmern. Ausgangspunkt sind die Reglemente und die sind eigentlich ziemlich genau (... wenn man sich vorstellen kann, war gemeint ist ...). Deshalb wurden zusätzlich zu den Reglementsangaben Muster für die Hersteler geliefert. Als Diskussionsbeitrag stelle ich gleich einmal ein Rätsel über ein Säbelkuppel:

"Von schwarzlakirtem Leder, aus drei durch zwei vergoldete Ringe verbundenen Theilen bestehen, an welchen zwei Tragriemen hängen, deren untere Enden mit Doppelknöpfen versehen sind. Zum Anschnallen dienen zwei messingene vergoldete Haftschilde, mit erhabenen Löwenköpfen, geschlossen mittels eines Hakens in Form einer doppelt gekrümmten Schlange".
Was meint ihr, aus welchem Reglement ist das und wer trug solche Säbelkuppel?

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Montag, 8. November 2021, 13:14

Ich weiss es, aber ich will zuerst noch andere Antworten abwarten, sonst ists doch langweilig. Kleiner Tipp, das Reglement ist aus der Schweiz.

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Mittwoch, 17. November 2021, 13:00

Schnarch, Gähn. Die Diskussion ist wohl eingeschlafen, langweilig. :thumbdown: Dann halt: Das Reglement für Bewaffnung und Ausrüstung der eidgenössischen Truppen von 1842. Der Koppel ist für die berittenen Offiziere so vorgeschrieben. :sleeping:

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Donnerstag, 18. November 2021, 18:54

Treffer. Aber dieses Säbelkuppel ist nicht allgemein für berittene Offiziere vorgeschrieben, sondern für berittene Infanterieoffiziere, das übersieht man leicht bei der Systematik des Reglements. Da sind wir bei einer Falle, über die viele stolpern. Vom Grad Hauptmann an waren alle Infanterieoffiziere beritten. Das hatte Folgen: Oft haben diese Offiziere die Scheide des Degens oder des Säbels durch eine Stahlscheide ersetzt oder sich gleich einen neuen Degen bzw. Säbel mit Stahlscheide geleistet. Das hatte auch Folgen für die Säbelkuppel. Danke Mikroraptor, dank dir sind wir nun doppelt soviele, die sich für Ledergehänge interessieren.

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Sonntag, 21. November 2021, 16:15

Ein weiteres Stück. Hier handelt es sich um ein Säbelfutteral Ord. 1861 nur für Säbel oder Weidmesser. Getragen wurden sie von Spielleuten und Unteroffizieren der gewehrlosen Truppen (Artillerie, Train, usw.) Das Stück hat fast identische Masse, wie sie im Reglement beschrieben werden. Hinten schön zu sehen ist der Brandstempel des Zeughauses Bern und die eingeritzten Initialen H.Y.G.
»Microraptor92« hat folgende Bilder angehängt:
  • Frosch 1861.JPG
  • Frosch 1861 Rückseite.JPG
  • Frosch 1861 Detail.JPG