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Sonntag, 5. April 2020, 19:54

Dragoner Ord. 1883 Kt. Bern

Hallo zusammen.



Mein zweites Uniformprojekt ist nun weitestgehend beendet. Es ist
diesmal eine Dragoneruniform aus der Zeit zwischen 1895 und 1900.
Begonnen hat alles mit einem Uniformkonvolut, bestehend aus Waffenrock,
Hose, Schlagband und der Erkennungsmarke. Alles gehörte dem selben
Wehrmann, den ich dank der Marke identifizeren konnte. Laut dieser hat
er 1895 die RS absolviert und diente danach in der Schwadron 12, später
in der Landwehr-Schwadron 42.

Beginnen wir oben. Der Tschako entspricht der Ordonnaz 1883 und ist an
preussische Vorbilder angelehnt, Mit der Einführung dieser Uniform
erhoffte man sich eine Werbewirkung der an Unterbestand leidenden
Waffengattung. Er trägt den Stern mit der Nr. 12, welche die Schwadron
angibt. Unter der linken Spange ist die Kantonskokarde angebracht.





Um den Hals trägt der Wehrmann das 1901 eingeführte sogenannte
"Totentäfeli", auf diesem Zelluloidplättchen stehen Name, Jahrgang,
Waffengattung, Regiment bzw. Schwadron, manchmal Blutgruppe und
Konfession. Die Erkennungsmarke bekam der Wehrmann mit der
Truppenordnung 1911 ausgehändigt.



Der Waffenrock Ord. 1883 hat Achselschuppen, bereits mit Passanten. Bei
frühen Stücken fehlen diese. Er wurde 1894 hergestellt. Die
Achselschuppen wurden 1883 neu eingeführt, davor waren seit 1869
Achselklappen angenäht. Zusammen mit dem neuen Tschako machte diese
Uniform den Schweizer Kavalleristen zu einem eindrucksvollen Anblick,
der aber im Vergleich mit ausländischen Kavalleriekorps immer noch sehr
bescheiden aussah. Am linken Ärmelaufschlag trägt er das Schützenabzeichen.



An Ausrüstung trägt der Dragoner den Säbelkoppel Ord. 1875, der über dem
Waffenrock getragen, von zwei Schlaufen in Position gehalten wird.
Daran hängt der Säbel Ord. 1867, mit Berner Schlag, der eigentlich ein
bisschen früher einzuordnen ist. Über den Säbel gibt es einen
Super-Beitrag im Forum, daher werde ich nicht weiter auf ihn eingehen.
Umgeschnallt sind links der Brotbeutel und das Patronenbandulier Ord.
1893. Es wurde zusammen mit dem Mannlicher-Kavalleriekarabiner(ebenfalls
vorhanden) eingeführt und hat fünf Taschen, die je 2 Lader mit 6 Schuss
GP90 fassen. Dieses Stück stammt von 1893-1897, danach wurden 6
Taschen(die 6te für das Gewehrputzzeug) angenäht und die Banduliers in
Naturbraun produziert.



Die Hose ist die sogenannte A-Hose ohne Besatz, also eigentlich die
Ersatz- oder Ausgangshose. Die B-Hose hatte einen Stoffbesatz im
Schritt. Die fehlt leider. Die Hose hat hinten eine Strippe zum
einstelle, zwei Hosentaschen (in einer ist noch die Kippe eines
"Schweizer Stumpens"), ein Baumwollfutter im Schritt und unten
Stoffstege und Schliessknöpfe. Die Hose wurde ebenfalls 1894 gefertigt.



Die Reitstiefel runden die Vorstellung ab. Leider kann ich sie der Puppe
nicht anziehen ohne dass sie Schaden davontragen würden. Sporen sind
ebenfalls vorhanden. Die Stiefel sind ebenfalls in die 1890er Jahre zu
datieren. Da sie vom Wehrmann privat beschafft wurden(Der Bund gab die
Schäfte gratis ab), gab es sicher diverse Variationen. Erst mit der Ord.
1898 wurde dann das Schuhwerk reglemetiert.



So sah ein Berner Dragoner um die vorletzte Jahrhundertwende aus. Jetzt
muss ich nur noch ein schönes Plätzchen für ihn finden.
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2

Sonntag, 5. April 2020, 19:55

Noch zwei Detailfotos.
»Microraptor92« hat folgende Dateien angehängt:
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3

Montag, 6. April 2020, 11:24

Bestens, genau so stelle ich mir die Vorstellung von Sammlungsstücken vor - durch die ausführliche Beschreibung bekommt man als Betrachter nachvollziehbare Informationen.
corrado26

4

Donnerstag, 9. April 2020, 18:52

Hier noch eine kurze Zusammenfassung der Schweizer-Kavalleriegeschichte. Sie unterscheidet sich stark von der der anderen europäischen Nationen.

Eine Schweizer Kavallerie im eigentlichen Sinn gab es erst seit 1875. Vorher war das Heerwesen kantonal geregelt. Erste echte Reitertruppen gab es erst mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts. Die folgenden 200 Jahre spielte die Kavallerie eine sehr untergeordnete Rolle. Gründe dafür waren einerseits die hohen Kosten für Pferde und Armatur. Da der Wehrmann seine Ausrüstung und Bewaffnung grösstenteils selber zu bezahlen hatte, rekrutierten sich die berittenen Truppen vor allem aus der wohlhabenden Schicht. Andererseits wiedersprach eine Kavallerietruppe den Milizheeren der Schweizer Kantone mit ihren relativ kurzen Ausbildungszeiten. Daher gab es in der Schweiz nur leichte Kavallerie. Zwischen 1800 und 1852 war eine sehr interessante Zeit. Da gab es Dragoner, Chevauxlegers, Jäger zu Pferde, im Aargau kurze Zeit sogar Kosaken. Jede kantonale Kavallerie hatte zudem eine eigene Uniform! Die Tagsatzung bemühte sich ab 1817 schrittweise für eine Vereinheitlichung der Uniform und Bewaffnung. Die Kantone trennten sich nur ungern von ihrer Militärhoheit, der Kantönligeist war sehr stark (und ist es heute noch). Ab 1852 wurde dann eine gesamtschweizerische Uniform und Truppengattungen (Dragoner und Guiden) eingeführt. Da aber der Grundsatz galt, was einmal gefasst wurde wird ausgetragen, sah man die alten Uniformen noch lange. In grösseren Truppenzusammenzügen sah es daher mehr nach einem Fasdnachtsumzug, statt nach einer Armee aus. 1875 wurde dann aus den kantonalen Truppen das Bundesheer. Erst ab diesem Zeitpunkt kann man von einer wirklich einheitlichen Armee sprechen. Die vorgestellte Uniform ist die letzte farbige Uniform. Ab 1914 wurde auch hierzulande Feldgrau eingeführt. Als letzte europäische Nation schaffte die Schweiz 1972 die Kavallerietruppe ab.

Ein weiterer ungewöhlicher Punkt ist die Beziehung Mensch-Pferd. Ab 1875 konnte der Soldat nach der RS vom Bund ein Pferd (genannt "Eidgenoss")zum verbilligtem Preis kaufen. Dieses konnte er nach Hause nehmen und in der Landwirtschaft oder sonstwie einsetzen. Er musste aber zu jedem militärischen Dienst mit diesem Pferd einrücken. Daher hatten die meisten Soldaten eine enge Beziehung zu ihrem Pferd. Dieses System war weltweit einzigartig und begründete den starken Korpsgeist in der Reitertruppe.

5

Freitag, 15. Mai 2020, 20:37

Hallo

Dazu sei anzumerken, dass dies beim Trainsoldaten nach wie vor der Fall ist. Voraussetzung ist der Nachweis der Artgerechten Haltung. Hatte leider immer zu wenig Platz...

Grüsse

6

Sonntag, 22. November 2020, 16:01

Hallo zusammen.

Ich habe eine Photographie ergattert, die einen Guiden zu Pferd abbildet, welche sehr detailliert die Pferde-Ausrüstung zeigt. Das Foto wurde von Jean Kölla an der Beudenfeldstrasse in Bern aufgenommen. Das Haus im Hintergrund steht heute nahezu unverändert(Beudenfeldstrasse 47). Ganz in der Nähe waren zum Einen die Kaserne Bern, wie auch das Studio von Kölla. Der Guide(weisser Haarpinsel) trägt bereits die Uniform Ord. 1898 (erkennbar an den Tragehaken), aber noch den alten Säbel Ord. 1867. Über der Pferdedecke ist natürlich der Sattel Ord. 1895, vorne sind die Saccochen fürs persönliche Material und eine Rolle, deren Zweck ich nicht genau kenne. Hiner dem aufgeschnallten Säbel, der sich mit einer Lederstrippe am Sattel befestigen lässt, welche man durch die untere Öse zog. Am oberen Ring erkennt man den Ledertrageriemen Ord. 1896. Am Griff ist gut sichtbar das Schlagband befestigt. Hinter dem Sattel liegt die Mantelrolle, auf der das Gamellenfutteral samt Gamelle angeschnallt ist. Unter dem Bauch ist das Karabinerfutteral für den Karabiner, vermutlich Ord. 1905 zu erkennen. Das Pferd selbst hat einen kupierten Schwanz, wie es damals Mode war.

Zu den Guiden: Diese Truppe wurde 1852 geschaffen, zunächst kantonal, ab 1875 dann eidgenössisch organisiert. Ihre Aufgabe war die des Meldereiters, Militärpolizei und Hilfsaufgaben für den Generalstab. Sie waren im Gegensatz zu den Dragonern den Armeedivisionen direkt unterstellt, d.h. je eine Kompanie pro Division. Da sie nicht direkt ins Kampfgeschehen verwickelt waren, rüstete man sie zunächst nebst Säbel mit Revolvern aus, bis im Zuge der Vereinfachung sie ebenfalls den neuen Repetierkarabiner 1893 und die nachfolgenden Modelle fassten. 1926 wurden die Guidenkompanien aufgelöst und zu Dragonern umgeteilt. Die Uniform unterschied sich nur durch einen weissen Haarbusch, bzw Haarpinsel zu den schwarzen der Dragoner.
»Microraptor92« hat folgende Datei angehängt:
  • QMCM5532.JPG (1,17 MB - 34 mal heruntergeladen - zuletzt: 17. Januar 2021, 16:51)

7

Montag, 23. November 2020, 04:47

Hallo Microraptor

Schöns Bild! Die Rolle könnte ev. eine Pferdedecke/Pellerine sein...? Unsere breittenen (Uof's und Patroullienreiter) hatten den Reitsattel 1906 und auf diesem war das aufschnallen einer gerollten Pferdeschutzblache üblich...
Grüsse