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Dragoner

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Montag, 13. Dezember 2010, 20:24

Schützen 1914

Hallo zusammen,

möchte euch gerne zwei Schützen in der Uniformierung zu Kriegsbeginn vorstellen. Es sind zwei Unterschiedliche Monturen. Die eine besteht aus der persönlichen Ausrüstung, die jeder Wehrmann damals (wie auch noch heute) mit sich nach Hause nahm und damit sofort gefechtsbereit in den Militärdienst einrücken konnte. Die Andere besteht teilweise aus dem so genannten Korpsmaterial, welches zum Dienst leihweise ausgegeben wurde.

Vorab eine kleine Erläuterung zu den Schützen:
Die Schützen gingen aus den Scharfschützen hervor. Im Jahre 1888 wurden sie fortan offiziell nur noch Schützen genannt. Diese Truppe hat seit 1852 (dem offiziellen 'Gründungsjahr' der eidgenössischen Armee) grüne Waffenröcke und die Waffenfarbe schwarz. Ein erster 'Ansatz von Tarnung'. Auch die Garnituren sind seit jeher aus Messing. Auch waren Sie mit speziellen Waffen ausgerüstet (Stutzer / Waidmesser, etc). Die vorgestellten Uniformen entsprechen en gros der Ordonnanz 1898, der letzten bunten Uniform. 1892 wurde eine einheitliche Schusswaffe eingeführt. Das Infanterie Gewehr 1889 und dessen Modifikationen. Die Schützen fassten somit ein 'normales' Gewehr. Mit diesem Schritt war es mit der privilegierten Behandlung der Truppen noch nicht vorbei. Nur noch die Uniformierung hob sie von den normalen Infanteristen ab. Grundsätzlich wurden besonders gute Schützen der Infanterie zu den Schützen umgeteilt. Im verlaufe des Krieges wurde dies jedoch immer mehr vernachlässigt und irgendwann ganz weggelassen.
Schützen Batallione existierten in der Schweiz bis zu ihrer Auflösung im Jahr 2004. Sie waren aber grundsätzlich normale Infanteristen.

Links im grünen Waffenrock ein Schütze des Berner Schützenbatallion 3. Er trägt einen Tschako mit messingenen Garnituren, der Kantonskokarde und den grünen Pompom für die 1. Kp. Auf der Brust aufgeknöpft ein Zusatladestreifen in dem zusätzliche Patronen griffbereit mitgeführt werden konnten.

Am Kragen des grünen Waffenrocks Ord. 1898 (alle anderen Truppen, ausser Kavallerie hatten blaue) gut erkennbar die Schwarze Waffenfarbe, sowie die Paspelierungen an Schulterklappen und Überschlag. Auch die Ärmelsaufschläge waren wie bei anderen Truppen paspeliert.

Er trägt den Centuron (Leibgurt) mit dem Hilfstragriemen Ord. 1903 über den Schultern. Am Bauch gut erkennbar die Patronentaschen Ord. 1911. Rechtsseitig erkennt man noch den ledernen Brotsack Ord. 1898.

Die Hose entspricht dem Modell Ord. 1998 für Fusstruppen und ist ebenfalls paspeliert. Jeder Wehrmann erhielt als persönliche Ausrüstung zwei Paar Hosen. Eine A-Hose und eine B-Hose. Letztere war Ersatz und wurde zum Einrücken, Ausgang, auf Befehl, oder eben dann getragen, wenn Erstere nicht verfügbar oder nass war.

Als Waffe führt er ein Infanterie Gewehr 1889/96/11 mit einem Dolchbajonett 1899.


Links ein Schützenkorporal des Zürcher Schützenbatallions 6 in Arbeitsbluse Ord 1875/98. Die Bluse ist dunkelbau. Ausser die Kavallerie hatten alle Truppen inkl. die Schützen dunkelblaue Blusen. An der Bluse sind keine Truppeninsignien angerbacht ausser Gradabzeichen oder Batallionsnummern. Die Schulterklappen wurden manchmal eingeschlauft, um das Gewehr bequemer tragen zu können. (Meines Wissens praktizierte dies das kuk Heer auch?)
Der Tschko ist in einen Tarnüberzug gesteckt. Diese wurden 1914 aus Gründen der Tarnung ausgegeben und sind leider heute sehr selten. Sie wurden, wie die Tarnblusen (Beitrag zur Tarnbluse folgt zu einem Späteren Zeitpunkt) aus diversen Materialen hergestellt. Dieser ist aus grauem Zeltbahnstoff hergestellt.

Der Korporal (Unteroffizier / Gruppenführer) trägt ebenfalls den Hilfstragriemen und den Centuron. Er ist ausgerüstet mit den Patronentschaschen Ord. 1899. Weiter erkennt man links die feldgraue Zusatzpatronentasche Ord. 1914/15. In Ihr wurden zusätzliche 'Lader' mitgeführt, welche auch in den Patronentaschen in dieser Form verstaut wurden. Weiter führt er einen Spaten mit sich, ein unverzichtbares Gerät zu dieser Zeit. Er wird zusammen mit dem Bajonett getragen, was den 'Tragkomfort' ein wenig erhöhte. Am Rücken erkennt man ebenfalls Brotsack. Als Gruppenführer trägt er zusätzlich einen Feldstecher mit sich.

Als Beinkleider trägt er das selbe Modell wie sein Kamerad. Die Gamaschen sind ein Modell von vielen. Dieses ist aus Kaput-Stoff (Mantelstoff) hergestellt. Sie sind sehr stark getragen. Dies ergibt sich aus dem Umstand, dass sie wie die Bluse aus Korpsmaterial-Beständen stammen.


Bei Fragen nur zu!

Gruss: Dragoner
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Dragoner

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Montag, 13. Dezember 2010, 20:29

Weitere Bilder:

PS: für alle heimlichen und unheimlichen Mitleser: die Waffen sind gemäss dem schweizerischem Waffenrecht und den gesetzlichen Bestimmungen vor dem Zugriff Dritter gesichert. Bei der gezeigten Munition handelt es sich um Innert-Munition.
»Dragoner« hat folgende Bilder angehängt:
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gardehusar

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Donnerstag, 16. Dezember 2010, 08:17

Einfach wunderschön!! Vielen Dank für die wunderbare Erklärung, so lerne ich auch noch was über die Schweiz!!

Bitte nicht wundern, wenn das Feedback sich hier in Grenzen hält. Viele Mitgleider bewundern Deine Sammlung nur ist es hier nicht üblich zu schreiben "Toll, Gut" ect...
Ich hoffe Du verstehst dies...
SUUM CUIQUE das Motto der Leib Garde Husaren (jedem das Seine)

Rasch mit dem Pferde, hart mit dem Schwerte,
im Sattel feste, beim Becher der Beste, den Frauen hold, treu wie Gold, Mut in Gefahr, das ist ein Husar

Für Fragen über mein Spezialgebiet stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung!

Dragoner

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Donnerstag, 16. Dezember 2010, 18:49

Lieber Gardehusar,

selbstverständlich bin ich mir bewusst, dass wenige Antworten nicht heisst, dass sich niemand dafür interessiert!

Ich schreibe ja auch nicht zu jedem Beitrag eine Antwort, den ich klasse finde. Der Gentleman schweigt und geniesst ja bekanntlicherweise.

Dragoner
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5

Samstag, 18. Dezember 2010, 16:48

Ich geniesse auch, aber ich schweige nicht und ziehe es vor, mich zu äussern:
Ein klasse Beitrag, vor allem die Gegenüberstellung und Erklärung zu den beiden wehrfreudigen stummen und wackeren Eidgenossen a.d.J.1914--das hat schon echte Museumsqualitäten.... (mindestens!!)
mlG Gerhard
A.E.I.O.U.

Dragoner

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Sonntag, 19. Dezember 2010, 21:49

Ein ehrliches Lob ist mir der schönste Lohn! Danke!

So macht es Spass Beiträge einzustellen. Es soll also nicht der Letzte sein.

Dragoner
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7

Montag, 20. Dezember 2010, 06:21

Finde auch, das hier ein Museum nicht mehr bieten kann.
Wirklich tollte Zusammenstellung, die sicher viel Zeit in Anspruch genommen hat, all die Adjustierungsteile (vorallem die vielen Kleinigkeiten, die man ja sicher nicht so häufig bekommt) zusammen zu tragen.

Servus

Alex

8

Mittwoch, 2. Februar 2011, 14:02

es ist zwar nicht mein gebiet aber es ist sehr schön anzusehen und informativ.
also ich gehe bestimmt in jedes museum was ich irgend wo entdecke aber viel mehr an information und detailgenauigkeit bekomme ich da teilweise garnicht. das hier wird mit soviel liebe und enthusiasmus präsentieren das ein die sprache verschlägt..........danke für's zeigen und weiter so!!

mfg. harvay

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »harvay« (2. Februar 2011, 14:05)


Dragoner

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Mittwoch, 22. März 2017, 20:51

Auch hier wieder sind die Bilder zu sehen.

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